Andrej Ustawschtschikow, Geschäftsführer von Komar Products Rus:

Wie sich umweltfreundliche Fototapeten von gesundheitsschädlichen unterscheiden und welche Drucke in Russland am beliebtesten sind

(auf Russisch)
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Vor genau 50 Jahren gründete Gerhard Komar in der deutschen Kleinstadt Rosenheim eine Werbeagentur. Jedoch ist es nicht Werbung, die sie in der ganzen Welt berühmt gemacht hat. Gerhard Komar hatte als erster die Idee, mit „Postern“ ganze Wände zu bedecken und damit Räume zu schmücken. Mit anderen Worten: er begann Fototapeten herzustellen.

Inzwischen sind Komars Fototapeten weltberühmt. Außer Stadtbildern, Landschaften und Blumen bietet Komars Produktreihe Fototapeten mit lizenzierten Disney-, Marvel- und Star Wars-Abbildungen sowie Aufnahmen aus National Geographic.

Vor einem Jahr wurde in Russland die Tochtergesellschaft Komar Products Rus eröffnet. Anlässlich des Doppelfeiertags, des 50jährigen Jubiläums der Muttergesellschaft und des 1. Geburtstags der russischen Tochter trafen wir uns mit Andrej Ustawschtschikow, der Komar Russland leitet.

Kind der Krise

„Angesichts der Wirtschaftskrise und des Kursanstiegs von Dollar und Euro stellten 2015 die beiden größten russischen Distributoren, die Materialien für Ausbauarbeiten aus Europe und insbesondere aus Deutschland in Russland vertrieben hatten, ihre Tätigkeit ein“, begann Andrei Ustawschtschikow zu erzählen. Komar-Fototapeten waren in den Geschäften kaum noch zu finden. Deshalb lag es auf der Hand, eine Tochtergesellschaft zu gründen.

Andrei hatte mehrere Jahre lang in der Geschäftsleitung einer dieser beiden Distributoren gearbeitet und kannte die Familie Komar bereits 10 Jahre. Deshalb überrascht es kaum, dass gerade ihm das Angebot unterbreitet wurde, die Geschicke der russischen Tochter zu lenken.

Im Dezember 2015 wurde die OOO (GmbH) Komar Products Rus gegründet; im März kam der erste Wagen mit Ware an. Er enthielt Artikel für Komars Präsenz an der führenden alljährlichen Baumesse MosBuild. Komar setzte große Hoffnungen in eine triumphale Rückkehr an den russischen Markt. Aber leider kam alles anders.

In der mehrjährigen Geschichte der Ausstellung hatten die Einkäufer den Eindruck gewonnen, dass man Komar-Tapeten bei einem der zwei führenden Distributoren kaufen müsse. Doch diese Firmen waren „tot“, und nicht alle kamen darauf, zu unserem Stand zu gehen und dort in Erfahrung zu bringen, wie man jetzt mit Komar arbeiten könne“, 
teilt uns Andrej Wenjamowitsch mit.
Kurz gesagt, uns wurde klar, dass wir den Kundenstamm fast von Grund auf neu aufbauen mussten.    

Ein weiteres Problem bestand darin, dass sich das Modell der Zusammenarbeit mit den Fachhändlern gewandelt hatte: inzwischen bestanden einige auf Zahlungsaufschübe von bis zu drei Monaten, und andere auf Absatz als Zahlungsbedingung („morgens Tapeten, abends Geld“, fast wie im berühmten Sowjetfilm „Zwölf Stühle“ von Ilf und Petrow).

Es gab einen dritten wichtigen Faktor, der die Rückkehr der Marke auf den russischen Markt erschwerte: in Komars Abwesenheit hatten Fachhändler Komars Ware durch neue Produkte russischer Hersteller ersetzt. Und obwohl die Qualität viel zu wünschen übrig lässt, gewann der niedrigere Preis in Krisenzeiten an Bedeutung.

Fototapeten: ein gewaltiger Unterschied

Dabei ist der technische Unterschied zuvorderst eine Frage der Gesundheit.

Wie sieht der Fototapetendruck bei den meisten Produzenten aus?

Sie nehmen Malervlies (ein Material aus chemisch modifizierten Zellulosefasern), auf das in der Tapetenfabrik eine spezielle Paste gestrichen wird (Polyvinylchlorid-Plastisol). Diese Paste wird heiß gepresst und nimmt eine bestimmte Struktur an. Das heißt, im Prinzip produziert man ein Halbfabrikat von Vinyltapeten, auf das ein Industriedrucker ein Bild aufträgt. Der Nachteil dieser Technologie besteht darin, dass für die Produktion von PVC-Plastisol gesundheitsschädliche Stoffe verwendet werden, zum Beispiel Titandioxid (ein Schwermetall) und Eco-Solvent-Tinten.

„Leider kommt ‘Eco’ in diesem Fall nicht von ‘ecological’, sondern von ‚economical‘“, erklärt Ustawschschikow. „Mit Hilfe dieser Tinten kann man billig ein tiefes Bild auftragen. Es hält sich, weil das Lösemittel (solvent) verdampft und die Farbe an der Oberfläche bleibt. In Europa sind Eco-Solvent-Tinten bei der Herstellung von Drucken verboten, die innerhalb von Gebäuden aufbewahrt werden. Dass es in Russland kein solches Verbot gibt, machen sich einige unredliche Hersteller zunutze. Andere Hersteller tragen das Bild mit teureren und ungefährlichen Latexfarben auf Vinylrollen, Papier oder Malervlies auf. Der Unterschied wird sofort bei der Öffnung der Runddose deutlich – man kann sich kaum irren. Es gilt eine einfache Regel: wenn es nach Chemie riecht, legen Sie es zurück ins Regal.

Die Produktionstechnik von Komar-Fototapeten unterscheidet sich grundsätzlich. Sie sind Offsetdrucke auf qualitativ hochwertigem Papier oder Malervlies, die aus Brandschutzgründen mit UV-Lack überzogen werden. Übrigens produziert auf der Welt nur eine einzige Fabrik offsettaugliches Malervlies. Hochglanzmagazine wie Elle oder Cosmopolitan beruhen auf ähnlichen Techniken.

Die von uns verwendete Offsetfarbe und die chemischen Stoffe, die in der PVC-Streichpaste und Eco-Solvent-Tinten enthalten sind, sind Substanzen, die in ihrer Wirkung auf Umwelt und Mensch völlig unvergleichbar sind

erläutert Ustawschtschikow.

Unübertreffliche Umweltverträglichkeit ist nicht das Einzige, was Komar-Fototapeten auszeichnet. Der Ausschuss bei den Fototapeten der deutschen Marke beträgt gerade einmal 0,003% – eine beeindruckende Kennzahl.

Beispiel für den Umgang mit Reklamationen

Natürlich haben Kunden mitunter auch etwas zu beanstanden. Aber das hat selten mit der Qualität zu tun. Zum Beispiel kaufte vor kurzem ein Mädchen eine Fototapete mit dem Disney-Design „Feen im Wald“, und die Arbeiter klebten sie nicht wie vorgeschrieben direkt an der Nahtstelle nebeneinander, sondern mit Überlappungen. Die Käuferin schickte eine Reklamation: „Schauen Sie, was Sie produzieren, das Bild passt nicht zusammen!“

Andrej Wenjamowitsch befasste sich persönlich mit dieser Reklamation. Klar war, dass die Arbeiter sich nicht die Mühe gemacht hatten, die Anleitung zu lesen (obwohl sie nicht zu übersehen war: sie stand auf der Runddose, auf dem Beiblatt und auf der Rückseite jedes Blattes, insgesamt zehn Mal. Außerdem war die Tapetenrückseite kariert wie Millimeterpapier, um den Klebeprozess zu erleichtern.)

Im Prinzip gab es also nichts zu bemängeln. Aber die Manager der Mutter- und Tochtergesellschaft hatten beschlossen, der Kundin neue Tapeten zu schenken.

Ustawschtschikow dachte nach, was mit den alten zu machen sei. Abziehen und die Wand neu verputzen?

Direkt im Hauswirtschaftsraum führte er ein Experiment durch: er klebte die Tapeten in zwei Schichten auf und überzeugte sich davon, dass sie sich nicht schlechter halten als auf einer nackt verputzten oder gestrichenen Wand.

Also erhielt das Mädchen außer den neuen Tapeten die freudige Nachricht, dass der „Pfusch“ nicht von der Wand abgezogen werden musste und Dreck und Staub nicht anfallen würde. Die neue Schicht würde sich auch auf der alten gut halten!

Buchhaltungsoutsourcing

Accounting Outsourcing - Als wir unsere Firma in Russland eröffnet haben, wollten wir so schnell wie möglich anfangen, ohne unnötige Unkosten zu verursachen. Von der Auslagerung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Tätigkeiten wie z.B. Finanz- und Lohnbuchhaltung, Lagerlogistik usw. erhofften wir uns effektivere Prozesse.
Bei der Wahl eines Buchhaltungsdienstleisters orientierten wir uns an der Empfehlung der Deutsch-Russischen Wirtschaftskammer. Sie gaben uns zwei Firmen zur Wahl. Wir trafen uns mit der einen, trafen uns mit der anderen und machten uns mit den Referenzen bekannt. Wir entschieden uns letztendlich für 1C-WiseAdvice: uns gefielen die Leute und wie sie den Dialog mit uns führten. Zum Glück hat uns ihr Kundenservice nicht enttäuscht. Alles lief schnell und reibungslos.

Weiße Rosen

Heute hat Komar drei wuchtige Kataloge mit verschiedensten Designs. Andrej Ustawschtschikow ist schon viele Jahre in der Tapetenbranche und kennt den Geschmack russischer Konsumenten aus dem Effeff. Der Bestseller ist schon jahrelang Rosen – man sollte meinen, ein banales und langweiliges Motiv. Trotzdem werden diese Drucke zu Tausenden verkauft.

“Was sehen Sie hier?”, entrollt Andrej eine Tapete mit weißen Rosen. „Einerseits natürlich Blumen. Aber schauen Sie, wie das Licht zwischen den Blütenblättern durchstrahlt. Wenn Sie ein kleines Zimmerchen haben, das man visuell vergrößern muss, so bewältigen unsere Tapeten diese Aufgabe mühelos.“

Unsere Ware verkauft sich selbst
- fasst Ustawschtschikow zusammen.
Wenn das Bild schön ist, wird es immer nachgefragt. Deshalb stellt Komar hohe Anforderungen an die Qualität visuellen Materials.   
Komar Products Rus

www.komar.de

Phone: +7 (495) 795-47-68

Fax: +7 (962) 978-71-83

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Persönliches

Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass die Qualität visuellen Materials nicht das Einzige ist, was Andrej Wenjaminowitsch Freude bereitet. Audiomaterial ist für ihn nicht weniger interessant. Seit vielen Jahren ist er Musikliebhaber; er nahm am Philips-Onlinewettbewerb „Golden Ears Challenge“ („Goldene Ohren“) teil. Hierbei werden den Teilnehmern Teile verschiedener Musiktitel in abgeänderter Fassung vorgespielt (z.B. werden niedrige oder hohe Frequenzen hinzugefügt oder entfernt, wird die Bühnentiefe geändert oder die Stereobasis verschoben).

„Obwohl ich in der ersten Etappe („Bronzene Ohren“) den Unterschied noch schlecht höre“, erklärt Ustawschtschikow, „ist er im Zuge der mit jeder neuen Aufgabe wachsenden Schwierigkeit bald gar nicht mehr zu hören, sondern man muss ihn fühlen. Trotzdem habe ich das Finale der „Silbernen Ohren“ erreicht, das heißt, ich bin offenbar ein fortgeschrittener Hörer“, lacht Andrej.

Wir wünschen Andrej Ustawschtschikow von ganzem Herzen Gold in diesem Wettbewerb! Geschäftlich, kann man sagen, hat er schon Gold errungen: denn er promotet eine Marke, die in der Welt schon 50 Jahre lang zu Recht führend ist.

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